Marschacht

Wappen Deutschlandkarte

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Harburg
Samtgemeinde: Elbmarsch
Höhe: 4 m ü. NHN
Fläche: 26,11 km2
Einwohner: 3993 (31. Dez. 2021)[1]
Bevölkerungsdichte: 153 Einwohner je km2
Postleitzahl: 21436
Vorwahlen: 04176, 04133
Kfz-Kennzeichen: WL
Gemeindeschlüssel: 03 3 53 023
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Elbuferstraße 98
21436 Marschacht
Website: gemeinde-marschacht.de
Bürgermeister: Heiko Scharnweber (CDU)
Lage der Gemeinde Marschacht im Landkreis Harburg
Königsmoor Otter Welle Tostedt Wistedt Tostedt Handeloh Undeloh Dohren Heidenau Dohren Kakenstorf Drestedt Wenzendorf Halvesbostel Regesbostel Moisburg Hollenstedt Appel Neu Wulmstorf Rosengarten Buchholz in der Nordheide Egestorf Hanstedt Jesteburg Asendorf Marxen Harmstorf Bendestorf Brackel Seevetal Landkreis Harburg Niedersachsen Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Heidekreis Landkreis Lüneburg Landkreis Stade Freie und Hansestadt Hamburg Schleswig-Holstein Gödenstorf Eyendorf Vierhöfen Garlstorf Salzhausen Toppenstedt Wulfsen Garstedt Stelle Tespe Marschacht Drage WinsenKarte
Über dieses Bild

Die Gemeinde Marschacht liegt im Zentrum der niedersächsischen Samtgemeinde Elbmarsch im Landkreis Harburg etwa 30 km südöstlich von Hamburg und etwa 10 km nordöstlich von Winsen (Luhe) an der Elbe.

Kirche in Marschacht (2020)

Geschichte

Das ursprüngliche Kirchdorf wird urkundlich erstmals im Jahre 1216 als „Hachede“ erwähnt.[2] In dieser Urkunde von 1216 gewährte der Graf Albrecht von Orlamünde, Statthalter des dänischen Königs Waldemar II., den Bürgern von Hamburg an einigen Zollstätten Befreiung vom Zoll, darunter auch in Hachede. Im Ratzeburger Zehntregister von 1230 lautet der Name des Kirchspielortes „Hagede“[3], wobei diese Schreibweise offenbar die ältere Lautform des Ortsnamens widerspiegelt. Zugrunde liegt eine Bildung aus der altsächsischen Flurbezeichnung *hag-: „Umzäunung, Gehege, Hecke, Weideplatz“[4] und dem weitverbreiteten Ortsnamensuffix -ithi, -ithja (*hag-ithi > *hag-ede).[5] Aufgrund der Namensbildung kann auf eine erste Besiedlung spätestens im 9. Jhdt. geschlossen werden.[6] Eine Änderung des Flusslaufes zerschnitt den Ort in zwei Teile, wodurch das nördlich der Elbe gelegene ältere Hacht an der Geest (Geesthacht) und ein südlich der Elbe gelegenes jüngeres Hacht an der Marsch (Marschacht) entstanden.[7] Es wird angenommen, dass die Zerschneidung des alten Dorfes durch den Elbstrom bereits im 12. Jahrhundert geschehen sein könnte. Die endgültige Trennung dieser beiden Orte soll sich spätestens in der Mitte des 13. Jahrhunderts vollzogen haben, als die gemeinsame Kirche in der Elbe (zwischen 1230 und 1258) versank.[8] Die heute im Ortsteil Obermarschacht gelegene Kirche wurde in den Jahren 1613–1615 erbaut und im Jahre 1821 erneuert.

Wahrscheinlich besaß Marschacht bereits 1258 eine eigene Kirche, denn der Vertrag über die Kultivierung des Sumpfgebietes aus dem Jahre 1258 beschreibt die Ausdehnung des Sumpfes von Bleckede bis zum Kirchspiel Hachede („palus a Blekethe vsque ad ecclesiam Hachede“), womit das Hacht in der Marsch gemeint sein dürfte. Ein eigenes Kirchspiel Hachede südlich der Elbe ist 1308 belegt. Die Bezeichnung Marschacht erscheint erst im Jahre 1428.[8]

Die Orte Niedermarschacht und Obermarschacht waren durch die Grenze zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg und den nachfolgenden Gebietskörperschaften bis 1972 getrennt.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Quelle
1823 13961 [9]
1871 14291 [9]
1925 16071 [9]
1950 24041 [10]
1956 20201 [10]
1973 1979 [11]
Jahr Einwohner Quelle
1975 22582 [12]
1985 26262 [12]
1990 26072 [12]
1995 28832 [12]
2000 34282 [12]
2005 35822 [12]
Jahr Einwohner Quelle
2015 38592 [12]
2019 39402 [12]
 
 
 
 
1 Als Addition der Einwohner der vor 1972 eigenständigen Gemeinden Eichholz, Niedermarschacht, Obermarschacht, Oldershausen und Rönne.
2 jeweils zum 31. Dezember

Eingemeindungen

Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Marschacht durch den Zusammenschluss der Gemeinden Eichholz, Niedermarschacht, Obermarschacht (bis dahin im Landkreis Lüneburg), Oldershausen und Rönne neu gebildet.[13]

Politik

Gemeinderat

Gemeindewahl 2021
Wahlbeteiligung: 65,84 %
 %
40
30
20
10
0
37,2 %
37,0 %
18,4 %
4,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2016
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
−3,2 %p
−2,1 %p
+4,2 %p
−1,6 %p

Der Rat der Gemeinde Marschacht setzt sich aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:[14]

Wahljahr SPD CDU Grüne FWG Gesamt
2021 6 5 3 1 15 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 12. September 2021

Wappen und Flagge

Das Wappen der Gemeinde Marschacht zeigt einen waagerecht geschlängelten, blauen Fluss (llau), grüne Wiesen an beiden Ufern und gelbem Ackerland zu beiden Seiten. Das Dienstsiegel zeigt entsprechend das Wappen der Gemeinde, gepaart mit der Umschrift "Gemeinde Marschacht", Kreis Harburg.[15]

Die Flagge der Gemeinde zeigt die Farben gelb/grün, getrennt durch einen Fluss, darin enthalten ist das Wappen.[15]


Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Die Bruno Bock Chemische Fabrik GmbH & Co. KG ist weltweit führender Hersteller von Thioglykolsäure, 3-Mercaptopropionsäure und 2-Mercaptopropionsäure, die u. a. in der kosmetischen Industrie eingesetzt werden.

Verkehr

Straßenverkehr

Durch Marschacht führen die B 404 (Lüneburg-Geesthacht-A 25-Kiel) und die Landesstraße 217 (Artlenburg-Tespe-Marschacht-Winsen). Weitere Kreisstraßen verbinden Marschacht mit dem Umland.

Schienenverkehr

Bis zum Bahnhof in Winsen (Luhe) führt heute die OHE-Bahnstrecke Winsen–Niedermarschacht, an der der Ort bis zur Aufgabe des Personenverkehrs im Jahre 1966 einen Bahnhof hatte und die somit für eine Anbindung an das Schienennetz sorgte. Heute wird die, auch durch Eichholz und Oldershausen führende, Strecke ausschließlich für den Güterverkehr genutzt. Ausnahmen sind lediglich historische Zugfahrten mit dem Heide-Express.

Busverkehr

Zahlreiche Buslinien des Hamburger Verkehrsverbundes verbinden Marschacht mit dem Umland und der Stadt Hamburg.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle A100001G: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2021 (Hilfe dazu).
  2. Hamburgisches Urkundenbuch. Hrsg. von Johann Martin Lappenberg. Bd. 1. Anastat. Reprod. der Ausg. vom Jahre 1842. Hamburg 1907 = 1842. Nr. 401. Siehe Internetseite der Universität Hamburg: Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. M. Prüß (1929): Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht-Hamburg 1929, S. 100 f.
  4. G. Köbler: Altsächsisches Wörterbuch. 3. Auflage. 2000 ff., S. 497.
  5. G. Neumann: Namenstudien zum Altgermanischen; Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsbände, Band 59; Herausgeber: Heinrich Hettrich, Astrid Van Nahl. Verlag De Gruyter, 2008, S. 108.
  6. M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen, Geesthacht-Hamburg 1929, S. 99 f.
  7. F. Voigt: Die Kirche zu Geesthacht am Ende des 16. Jahrhunderts. In: Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte. Band 3, Jg. 9 (1886), S. 22.
  8. a b Wolfgang Prange: Siedlungsgeschichte des Landes Lauenburg im Mittelalter, Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Neumünster 1960, S. 22 f. (lt. Prange soll der heutige Elblauf bereits im Jahre 1162 bestanden haben, als die Südgrenze des Bistums Ratzeburg bestimmt wurde).
  9. a b c Ernst Reinstorf: Elbmarschkultur zwischen Bleckede und Winsen an der Luhe in ihrer erd- und menschengeschichtlichen Entwicklung. Selbstverlag des Verfassers, Harburg, Wilhelmsburg 1929, S. 141.
  10. a b Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1957 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 25. September 1956, für das Saarland 31. Dezember 1956). W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 177–182 (Digitalisat).
  11. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 39, Landkreis Harburg (Digitalisat [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 23. September 2020]).
  12. a b c d e f g h Gemeindeverzeichnis – Archiv – Regionale Gliederung – Jahresausgaben – Niedersachsen. (Alle politisch selbständigen Gemeinden im EXCEL-Format). In: Webseite Destatis. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 23. September 2020.
  13. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 228.
  14. Ergebnis. Abgerufen am 27. Oktober 2021.
  15. a b Hauptsatzung der Gemeinde Marschacht. 2012.