Artemis Verlag

Der Artemis Verlag war ein Schweizer Buchverlag, der 1943 von Friedrich Witz und Karl Hoenn (25. August 1883–1. April 1956) in Zürich gegründet wurde. Er firmierte nach der Übernahme des Münchner Winkler Verlags 1971 als Artemis & Winkler, mit Sitz in Zürich und München. Artemis & Winkler wurde 1995 vom Patmos Verlag in Düsseldorf übernommen, dessen Mehrheitseigentümer damals der Cornelsen Verlag war, und verblieb nach dem Verkauf von Patmos 2011 bei Cornelsen unter dem Dach des Bibliographischen Instituts. Seit 2016 sind keine Bücher mehr unter dem Label Artemis & Winkler erschienen.

Geschichte

Mit einem Privatdruck in einer Auflage von 25 Exemplaren begann die Geschichte des Artemis Verlags. Friedrich Witz publizierte darin 1943 seine „Gedanken um einen in Sinn, Form, Ausmaß und Aubau neuartigen Verlag für schweizerische und europäische Kultur“, so der Titel des Manifests. Mitten im Zweiten Weltkrieg sah er die Schweiz als möglicherweise letzte Erbin europäisch-christlicher Kultur und beschrieb seine Vision eines Verlags, der dem Wahren, Guten und Schönen in einer zerstörten Welt wieder Ausdruck verleihen könne. Das Manifest fand Unterstützung bei Intellektuellen und Geldgebern.[1]

Zu den ersten Projekten des neugegründeten Verlags gehörte von 1945 bis 1958 die Publikation der zehnbändigen Gesammelten Werke des Schweizer Literaturnobelpreisträgers Carl Spitteler im Auftrag der Schweizerischen Eidgenossenschaft, herausgegeben von Gottfried Bohnenblust, Wilhelm Altwegg und Robert Faesi.[2] Der Verlag erlangte dann Bekanntheit durch seine literarischen Klassikerausgaben vom klassischen Altertum bis zum 19. Jahrhundert sowie von Buchreihen und Lexika zur Antike und zum Mittelalter. Seit 1948 erschien eine 24-bändige Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche von Johann Wolfgang von Goethe bei Artemis, herausgegeben von Ernst Beutler. Mit dieser Ausgabe gelang es Witz, den Verlag „bleibend zum Klassiker-Verlag“ zu profilieren.[3] Die Buchreihen Bibliothek der Alten Welt (seit 1947), begründet und zunächst allein herausgegeben von Karl Hoenn, und Die Bibliothek des Morgenlandes genossen großes Renommee. 1965 kam das Lexikon der Alten Welt hinzu, 1977 das Lexikon des Mittelalters. In der Kulturschriftenreihe Schriften zur Zeit erschien unter anderem Karl Jaspers’ Band Die Schuldfrage. Artemis brachte auch Kinder- und Jugendbücher, Reiseliteratur, Architektur- und Bildbände heraus.

1958 folgte Bruno Mariacher dem Gründer Friedrich Witz als Verlagsleiter nach.[4] Nach dem Tod von Emil Georg Bührle ging 1959 die Aktienmehrheit an Artemis an die Familie Bührle.[5]

Artemis gehörte 1960 zu den elf Gründungsgesellschaftern des Deutschen Taschenbuchverlags. 1962 übernahm Artemis den „Verlag für Architektur“ von Eugen Rentsch;[6] das Architekturprogramm ging 1995 an den Birkhäuser Verlag. 1968 erwarb Artemis den Alfred Druckenmüller Verlag und mit ihm den Kleinen Pauly.[7]

Den 1971 von Artemis übernommenen Winkler Verlag hatte Hildegard Winkler 1945 in Coburg gegründet, 1949 hatte sie den Sitz nach München verlegt. Bekannt geworden ist der Verlag besonders durch seine „Dünndruck-Bibliothek der Weltliteratur“, die 1963 bereits 100 Bände umfasste.[8]

Die renommierte Sammlung Tusculum, die ursprünglich im Heimeran-Verlag erschienen war, fand seit der Übernahme von Heimeran 1981 bis 2011 eine Heimat bei Artemis & Winkler. Es handelt sich um zweisprachige Ausgaben griechischer und lateinischer Klassiker. Sie ging 2011 an den Akademie-Verlag und mit diesem 2013 an den Verlag De Gruyter.

Archiv

Das Archiv des Artemis Verlags befindet sich seit 1990 im Schweizerischen Literaturarchiv.

Literatur

  • Artemis im fünfundzwanzigsten Jahr – 1943–1968. Artemis, Zürich 1968 (Jubiläumsalmanach).
  • Fritz Hofer: 50 Jahre Artemis 1943‒1993. Eine Dokumentation. Mit einer Jubiläumsrede von Walter Jens. Artemis & Winkler, Zürich 1993.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Rainer Diederichs: Deutschschweizer Verlagslandschaft seit 1945. In: Irmgard M. Wirtz, Ulrich Weber, Magnus Wieland (Hrsg.): Literatur – Verlag – Archiv. Wallstein, Göttingen und Chronos, Zürich 2015, S. 35–58, hier: S. 39.
  2. Eintrag in der Deutschen Nationalbibliothek.
  3. Jürg Zbinden: Der Schweizer Verlag 1943–1952. Sternstunde oder verpasste Chancen. In: Traverse, Jg. 2 (1995), S. 61–64, hier: S. 63.
  4. Hansrudolf Frey: Artemis als Gebäude des Geistes. Nachruf Bruno Mariacher, Verleger. In: Berner Zeitung, 8. November 2011. bernerzeitung.ch.
  5. SLA-ARTEMIS Artemis-Verlags-AG: Sammlung Artemis Verlag, Zürich, 1895–1974 (Bestand).
  6. 50 Jahre Artemis, S. 55.
  7. 50 Jahre Artemis, S. 87.
  8. Programme: Winkler-Verlag, München. In: Der Spiegel. 24. September 1963. spiegel.de.