110-Meter-Hürdenlauf

110-Meter-Hürdenlauf

Der 110-Meter-Hürdenlauf ist eine olympische Disziplin der Leichtathletik für Männer. Dabei sind auf einer geraden 110-Meter-Strecke zehn 1,067 Meter hohe, in gleichen Abständen aufgestellte Hürden zu überlaufen. Sie sind so beschaffen, dass sie beim Anstoßen umfallen können, was nicht als Fehler für die Wettkämpfer gewertet wird, sofern es nicht absichtlich geschieht.

Die erste der 10 Hürden steht im Abstand von 13,72 m zur Startlinie, die folgenden neun Zwischenräume betragen 9,14 m und der Schlussabschnitt 14,02 m.

Bei Olympischen Spielen steht der 110-Meter-Hürdenlauf seit 1896 im Programm. Frauen liefen 1932 bis 1968 auf der 80-Meter-Hürdenstrecke. Danach wurde auf 100 Meter Hürden umgestellt.

Die schnellsten 110-Meter-Hürdenläufer erzielen eine Zeit um 13 Sekunden (Weltrekord: 12,80 s). Das entspricht einer Geschwindigkeit von 8,5 m/s oder 30,5 km/h.

Siehe auch Hürdenlauf.

Geschichte

Bei den ersten Hürdenläufen, um 1830 in England, wurden auf einer 100-Yards-Strecke hölzernen Barrieren aufgestellt. Erste Standards wurden 1864 in Oxford und Cambridge festgelegt: Die Streckenlänge betrug 120 Yards (109,73 Meter), darauf waren zehn Hürden mit einer Höhe von 3 Fuß, 6 Zoll Höhe (1,06 Meter) aufgestellt. Nachdem bei Wettkämpfen in Frankreich ab 1888 auf die 110 Meter aufgerundet wurde, waren damit weitgehend die bis in die Gegenwart erhaltenen Abmessungen beschrieben. In Deutschland wurden bis 1907 Hürden von 1,00 Meter Höhe verwendet, danach wurde die international übliche Höhe von 1,06 Metern anerkannt.

Die massiven Hürdenkonstruktionen der Anfangszeit wurden 1895 zunächst durch leichtere in T-Form ersetzt, die sich umstoßen ließen. Bis 1935 wurden Läufer disqualifiziert, die mehr als drei Hürden umstießen. Rekorde wurden nur anerkannt, wenn alle Hürden stehenblieben.

1935 wurden die Hürden in T-Form durch solche in L-Form ersetzt, die beim Anstoßen leicht nach vorn umkippen und die Verletzungsgefahr verringern.

Die bis in die Gegenwart verwendete Lauftechnik, bei der die Hürde bei Absenkung des Oberkörpers überlaufen statt übersprungen wird und mit jeweils drei Schritten zwischen den Hürden, wendete erstmals der Olympiasieger von 1900, Alvin Kraenzlein, an.

Der erste Hürdenlauf in Deutschland, über die Strecke von 120 Yards, fand am 23. August 1891 in Berlin auf der Radrennbahn Halensee statt.

Bei Olympischen Spielen wird der 110-Meter-Hürdenlauf seit 1896 ausgetragen. In der Frauenleichtathletik wurde die Strecke Anfang der 1920er Jahre gelegentlich gelaufen, ohne jemals größere Bedeutung zu erlangen. Ab 1926 liefen Frauen nur noch über 80 Meter Hürden, ab 1961 zum Test und schließlich ab 1969 bei offiziellen Wettkämpfen über 100 Meter.

1900 und 1904 gab es außerdem bei den Olympischen Spielen einen 200-Meter-Hürdenlauf. Bei Deutschen Meisterschaften wurde er von 1951 bis 1965 ausgetragen. Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics (bis 2019: IAAF) erkannte bis 1960 Weltrekorde für diese Strecke an.

Meilensteine

110-Meter-Hürdenlauf
  • Erster offiziell von World Athletics anerkannter Weltrekord: 15,0 s, Vereinigte Staaten 46 Forrest Smithson, 1908
  • Erster Lauf unter 15 Sekunden: 14,8 s, Kanada 1868 Earl Thomson, 1920
  • Erster Lauf unter 14,5 Sekunden: 14,4 s,  Eric Wennström, 1929
  • Erster Lauf unter 14 Sekunden: 13,7 s, Vereinigte Staaten 48 Forrest Towns, 1936
  • Erster Lauf unter 13,5 Sekunden: 13,4 s, Vereinigte Staaten 48 Jack Davis, 1956
  • Erster Lauf unter 13 Sekunden: 12,93 s,  Renaldo Nehemiah, 1981

Erfolgreichste Sportler

Erfolgreichste Deutsche:

Statistik

Medaillengewinner der Olympischen Spiele

Jahr Goldmedaille Silbermedaille Bronzemedaille
1896 Vereinigte Staaten 44 Thomas Curtis  Grantley Goulding
1900 Vereinigte Staaten 45 Alvin Kraenzlein Vereinigte Staaten 45 John McLean Vereinigte Staaten 45 Fred Moloney
1904 Vereinigte Staaten 45 Fred Schule Vereinigte Staaten 45 Thaddeus Shideler Vereinigte Staaten 45 Lesley Ashburner
1906 Vereinigte Staaten 45 Robert Leavitt  Alfred Healey Deutsches Reich Vincenz Duncker
1908 Vereinigte Staaten 46 Forrest Smithson Vereinigte Staaten 46 John Garrels Vereinigte Staaten 46 Arthur Shaw
1912 Vereinigte Staaten 48 Fred Kelly Vereinigte Staaten 48 James Wendell Vereinigte Staaten 48 Martin Hawkins
1920 Kanada 1868 Earl Thomson Vereinigte Staaten 48 Harold Barron Vereinigte Staaten 48 Frederick Murray
1924 Vereinigte Staaten 48 Daniel Kinsey Sudafrika 1912 Sidney Atkinson  Sten Pettersson
1928 Sudafrika 1928 Sidney Atkinson Vereinigte Staaten 48 Stephen Anderson Vereinigte Staaten 48 John Collier
1932 Vereinigte Staaten 48 George Saling Vereinigte Staaten 48 Percy Beard  Don Finlay
1936 Vereinigte Staaten 48 Forrest Towns  Don Finlay Vereinigte Staaten 48 Fritz Pollard
1948 Vereinigte Staaten 48 William Porter Vereinigte Staaten 48 Clyde Scott Vereinigte Staaten 48 Craig Dixon
1952 Vereinigte Staaten 48 Harrison Dillard Vereinigte Staaten 48 Jack Davis Vereinigte Staaten 48 Arthur Barnard
1956 Vereinigte Staaten 48 Lee Calhoun Vereinigte Staaten 48 Jack Davis Vereinigte Staaten 48 Joel Shankle
1960  Lee Calhoun  Willie May  Hayes Jones
1964  Hayes Jones  Blaine Lindgren Sowjetunion 1955 Anatoli Michailow
1968  Willie Davenport  Ervin Hall  Eddy Ottoz
1972  Rod Milburn  Guy Drut  Thomas Hill
1976  Guy Drut  Alejandro Casañas  Willie Davenport
1980 Deutschland Demokratische Republik 1949 Thomas Munkelt  Alejandro Casañas Sowjetunion 1955 Alexander Putschkow
1984  Roger Kingdom  Greg Foster  Arto Bryggare
1988  Roger Kingdom  Colin Jackson  Tonie Campbell
1992  Mark McKoy  Tony Dees  Jack Pierce
1996  Allen Johnson  Mark Crear Deutschland Florian Schwarthoff
2000  Anier García  Terrence Trammell  Mark Crear
2004 China Volksrepublik Liu Xiang  Terrence Trammell  Anier García
2008  Dayron Robles  David Payne  David Oliver
2012  Aries Merritt  Jason Richardson  Hansle Parchment
2016  Omar McLeod  Orlando Ortega  Dimitri Bascou

Medaillengewinner der Weltmeisterschaften

Jahr Goldmedaille Silbermedaille Bronzemedaille
1983  Greg Foster  Arto Bryggare  Willie Gault
1987  Greg Foster  Jonathan Ridgeon  Colin Jackson
1991  Greg Foster  Jack Pierce  Tony Jarrett
1993  Colin Jackson  Tony Jarrett  Jack Pierce
1995  Allen Johnson  Tony Jarrett  Roger Kingdom
1997  Allen Johnson  Colin Jackson  Igor Kováč
1999  Colin Jackson  Anier Garcia  Duane Ross
2001  Allen Johnson  Anier Garcia  Dudley Dorival
2003  Allen Johnson  Terrence Trammell China Volksrepublik Liu Xiang
2005  Ladji Doucoure China Volksrepublik Liu Xiang  Allen Johnson
2007 China Volksrepublik Liu Xiang  Terrence Trammell  David Payne
2009  Ryan Brathwaite  Terrence Trammell  David Payne
2011  Jason Richardson China Volksrepublik Liu Xiang  Andrew Turner
2013  David Oliver  Ryan Wilson Sergei Schubenkow
2015 Sergei Schubenkow  Hansle Parchment  Aries Merritt
2017  Omar McLeod  Sergei Schubenkow  Balázs Baji
2019  Grant Holloway  Sergei Schubenkow  Pascal Martinot-Lagarde
 Orlando Ortega
2022  Grant Holloway  Trey Cunningham  Asier Martínez

Siehe auch

Weltrekordentwicklung

In Klammern: Elektronisch oder handgestoppte Zeit, der Weltrekord wurde aber mit der zuerst genannten Zeit anerkannt

Zeit (s) Name Datum Ort
Handgestoppte Weltrekorde
15,0 Vereinigte Staaten 46 Forrest Smithson 27. Juli 1908 London
14,8 Kanada 1868 Earl Thomson 18. August 1920 Antwerpen
14,8  Sten Pettersson 18. September 1927 Stockholm
14 3/5 Sudafrika 1928 George Weightman-Smith 31. Juli 1928 Amsterdam
14,4  Eric Wennström 25. August 1929 Stockholm
14,4  Bengt Sjöstedt 5. September 1931 Helsinki
14,4 Vereinigte Staaten 48 Percy Beard 23. Juni 1932 Cambridge
14,4 Vereinigte Staaten 48 Jack Keller 16. Juli 1932 Palo Alto
14,4 Vereinigte Staaten 48 George Saling 2. August 1932 Los Angeles
14,4 Vereinigte Staaten 48 John Morriss 12. August 1933 Budapest
14,4 Vereinigte Staaten 48 John Morriss 8. September 1933 Turin
14,3 Vereinigte Staaten 48 Percy Beard 26. Juli 1934 Stockholm
14,2 Vereinigte Staaten 48 Percy Beard 6. August 1934 Oslo
14,2 Vereinigte Staaten 48 Alvin Moreau 2. August 1935 Oslo
14,1 Vereinigte Staaten 48 Forrest Towns 19. Juni 1936 Chicago
14,1 Vereinigte Staaten 48 Forrest Towns 6. August 1936 Berlin
13,7 Vereinigte Staaten 48 Forrest Towns 27. August 1936 Oslo
13,7 Vereinigte Staaten 48 Fred Wolcott 29. Juni 1941 Philadelphia
13,6 Vereinigte Staaten 48 Richard Attlesey 24. Juni 1950 College Park
13,5 Vereinigte Staaten 48 Richard Attlesey 10. Juli 1950 Helsinki
13,4 Vereinigte Staaten 48 Jack Davis 22. Juni 1956 Bakersfield
13,2 Deutschland BR Martin Lauer 7. Juli 1959 Zürich
13,2  Lee Calhoun 21. August 1960 Bern
13,2 (13,43)  Earl McCullouch 16. Juli 1967 Minneapolis
13,2  Willie Davenport 4. Juli 1969 Zürich
13,2 (13,24)  Rod Milburn 7. September 1972 München
13,1  Rod Milburn 6. Juli 1973 Zürich
13,1  Rod Milburn 22. Juli 1973 Siena
13,1  Guy Drut 23. Juli 1975 Saint-Maur-des-Fossés
13,0  Guy Drut 22. August 1975 Berlin
Elektronisch gestoppte Weltrekorde
13,24 (13,2)  Rod Milburn 7. September 1972 München
13,21  Alejandro Casañas 21. August 1977 Sofia
13,16  Renaldo Nehemiah 14. April 1979 San José
13,00  Renaldo Nehemiah 6. Mai 1979 Westwood
12,93  Renaldo Nehemiah 19.08.1981 Zürich
12,92  Roger Kingdom 16. August 1989 Zürich
12,91  Colin Jackson 20. August 1993 Stuttgart
12,91 China Volksrepublik Liu Xiang 27. August 2004 Athen
12,88 China Volksrepublik Liu Xiang 11. Juli 2006 Lausanne
12,87  Dayron Robles 12. Juni 2008 Ostrava
12,80  Aries Merritt 7. September 2012 Brüssel

Weltbestenliste

Alle Läufer mit einer Zeit von 13,12 s oder schneller. In Klammern: Windmessung in m/s. A=Zeit wurde unter Höhenbedingungen erzielt.

Letzte Veränderung: 3. Oktober 2022

  1. 12,80 s (0,3)  Aries Merritt, Brüssel, 7. September 2012
  2. 12,81 s (0,4)  Grant Holloway, Eugene, 27. Juni 2021
  3. 12,84 s (1,6)  Devon Allen, New York City, 12. Juni 2022
  4. 12,87 s (0,9)  Dayron Robles, Ostrava, 12. Juni 2008
  5. 12,88 s (1,1) China Volksrepublik Liu Xiang, Lausanne, 11. Juli 2006
  6. 12,89 s (0,5)  David Oliver, Paris Saint-Denis, 16. Juli 2010
  7. 12,90 s (1,1)  Dominique Arnold, Lausanne, 11. Juli 2006
  8. 12,90 s (0,7)  Omar McLeod, Kingston, 24. Juni 2017
  9. 12,91 s (0,5)  Colin Jackson, Stuttgart, 20. August 1993
  10. 12,92 s (−0,1)  Roger Kingdom, Zürich, 16. August 1989
  11. 12,92 s (0,9)  Allen Johnson, Atlanta, 23. Juni 1996
  12. 12,93 s (−0,2)  Renaldo Nehemiah, Zürich, 19. August 1981
  13. 12,94 s (1,6)  Jack Pierce, Atlanta, 22. Juni 1996
  14. 12,94 s (0,8)  Hansle Parchment, Paris Saint-Denis, 5. Juli 2014
  15. 12,94 s (0,5)  Orlando Ortega, Paris Saint-Denis, 4. Juli 2015
  16. 12,95 s (1,5)  Terrence Trammell, New York, 2. Juni 2007
  17. 12,95 s (0,2)  Pascal Martinot-Lagarde, Monaco, 18. Juli 2014
  18. 12,97 s (1,0)  Ladji Doucouré, Angers, 15. Juli 2005
  19. 12,98 s (0,6)  Mark Crear, Zagreb, 5. Juli 1999
  20. 12,98 s (1,5)  Jason Richardson, Eugene, 30. Juni 2012
  21. 12,98 s (0,1) Sergei Schubenkow, Peking, 28. August 2015
  22. 12,99 s (1,2)  Ronnie Ash, Sacramento, 29. Juni 2014
  23. 12,99 s (0,0)  Rasheed Broadbell, Lausanne, 26. August 2022
  24. 13,00 s (0,5)  Tony Jarrett, Stuttgart, 20. August 1993
  25. 13,00 s (0,6)  Anier García, Sydney, 25. September 2000
  26. 13,00 s (0,8)  Daniel Roberts, Austin, 7. Juni 2019
  27. 13,00 s (0,0)  Trey Cunningham, Eugene, 10. Juni 2022
  28. 13,00 s (0,3)  Freddie Crittenden, Freeport, 20. August 2022
  29. 13,01 s (0,3)  Larry Wade, Lausanne, 2. Juli 1999
  30. 13,02 s (1,5)  Ryan Wilson, New York, 2. Juni 2007
  31. 13,02 s (1,7)  David Payne, Osaka, 31. August 2007
  32. 13,03 s (−0,2)  Greg Foster, Zürich, 19. August 1981
  33. 13,03 s (1,0)  Reggie Torian, New Orleans, 21. Juni 1998
  34. 13,05 s (1,4)  Tony Dees, Vigo, 23. Juli 1991
  35. 13,05 s (−0,8) Deutschland Florian Schwarthoff, Bremen, 2. Juli 1995
  36. 13,05 s (−0,1)  Ronald Levy, Paris, 1. Juli 2017
  37. 13,06 s (1,2)  Shunsuke Izumiya, Osaka, 27. Juni 2021
  38. 13,08 s (1,2)  Mark McKoy, Villeneuve d'Ascq, 2. Juli 1993
  39. 13,08 s (0,0) Lettland Staņislavs Olijars, Lausanne, 1. Juli 2003
  40. 13,08 s (1,2)  Jamal Britt, Freeport, 20. August 2022
  41. 13,08 s (1,2)  Jeff Porter, Eugene, 30. Juni 2012
  42. 13,09 s (2,0)  Antwon Hicks, Eugene, 6. Juli 2008
  43. 13,09 s (0,6)  Garfield Darien, Ostrava, 28. Juni 2017
  44. 13,10 s A (2,0) Deutschland Falk Balzer, Johannesburg, 13. September 1998
  45. 13,10 s (0,6)  Shunya Takayama, Hiratsuka, 6. August 2022
  46. 13,11 s (0,5)  Aleec Harris, Paris Saint-Denis, 4. Juli 2015
  47. 13,11 s (1,8)  Antonio Alkana, Prag, 5. Juni 2017
  48. 13,11 s (0,6)  Damion Thomas, Kingston, 27. Juni 2021
  49. 13,12 s (1,0)  Duane Ross, Sevilla, 25. August 1999
  50. 13,12 s (1,9)  Anwar Moore, Modesto, 5. Mai 2007
  51. 13,12 s (0,0)  Dimitri Bascou, Monaco, 15. Juli 2016
  52. 13,12 s (1,7) Schweiz Jason Joseph, La Chaux-de-Fonds, 14. August 2021

Quellen

Siehe auch

Weblinks